Jahrestag

In
einer lauen Sommernacht
schlich
er sich
in mein Leben.

Ich
habe ihn erkannt
benannt
und gehaßt
doch nicht vertrieben.

In
einer kalten Herbstnacht
begrüßt
ich ihn
in meinem Leben.

Du
bist der Tod
sag
willst du
mich jetzt begleiten?

In
einer hellen Winternacht
fragt
ich einen andren
nach meinem Leben.

Den
einen neuen Pfad
stritt
ich ihm aus der Hand.

In
einer warmen Frühlingsnacht
legt
ich allein
mein Bangen nieder.

So
ist das Leben
also
will ich’s
in allen Farben.

In
meiner ersten Lebensnacht
erträumt
ich mein
volles neues Leben.

Frauke Brauns, 1995


Dieses Gedicht ist dem Buch Un – Gereimtes Leben von Frauke Brauns entnommen, einer Sammlung von Gedichten, die Stimmungen, Erkenntnisse und Beschreibungen von Lebenssituationen sind oder Erfahrungen spiegeln. In diesem Band sind ihre besten Werke der vergangenen zwölf Jahre gesammelt.

Die Autorin, geboren 1960, ist seit 1986 hauptberuflich Journalistin. Seit Ihrem Studium der Geschichte und Germanistik schreibt sie Gedichte, Geschichten und arbeitet derzeit an einem Roman.

Un – Gereimtes Leben
Copyright Frauke Brauns 1995
Selbst-Verlag, Bielefeld
1/95/12
ISBN 1 – 503 – 19609 – 5